Interview mit Miriam Küllmer-Vogt (2017)

… zu Ihrer Rolle als Katharina von Bora

(Die Fragen stellte Julia Anderton vom Wiesbadener Kurier, Frühjahr 2017)

Wie ist die Idee zu „Wenn Engel lachen“ entstanden? Warum ist es wichtig, dass diesmal nicht Luther im Focus steht, sondern Katharina von Bora?

Vor ungefähr 6 Jahren sagte ich zu meinem Mann: „Schreib doch mal ein witziges Ein-Frau-Theaterstück für mich. Und ein paar Lieder dazu, dann nehme ich noch einen Pianisten mit, und los geht´s.“ Und dann überlegten wir gemeinsam, welche berühmte Frau ich spielen könnte. Das war zwar erst 2011, aber wir wussten: Das Reformationsjubiläum steht vor der Tür. Und wir wollten vorbereitet sein. Und wählten daher als Heldin Katharina von Bora aus, die ja den Martin Luther heiratete. Warum Katharina? Naja, ich bin zwar nicht sehr konventionell, aber einen ganzen Abend lang Martin Luther selbst zu spielen… das hätte schon vom Körperumfang her nicht gepasst. Wobei – man mag es nicht glauben – in manchen Punkten ähnele ich vielleicht mehr dem Luther als der von Bora. Aber das weiß ja keiner.

Frauen sprechen anders über Liebe – erfährt der Zuschauer vielleicht neue Details oder Ansichten in dem Musical?

Nun, beide hatten ja zunächst ihr Herz an jemand anderen verloren. Und mussten mit Liebeskummer und Abweisung klar kommen. Aber Katharina war eine tatkräftige und bodenständige Frau und verkroch sich nicht in Selbstmitleid. Dass Martin Luther in die Puschen kam und sie heiratete, hat sicherlich mit dieser Tatkraft Katharinas zu tun.

Wie haben Sie recherchiert (fernab von den Fakten) bzw. was hat Sie inspiriert?

Das Stück stammt aus der Feder meines Mannes Fabian Vogt. Ihm habe ich das Recherchieren überlassen (so wie Katharina dem Martin das Theologisieren überlassen hat). Ich habe derweil gekocht, gewaschen, unsere Kinder durch die Gegend kutschiert, Äpfel entsaftet, Hecken geschnitten und nicht zuletzt eine 50%-Pfarrstelle ausgefüllt. Da bleibt keine Zeit fürs Recherchieren! Warum auch! Reicht, wenn einer recherchiert, auf den ich mich verlassen kann, oder? Aber als es dann daran ging, das Ganze auf die Bühne zu bringen, da war ich natürlich voll dabei! Ich hatte genau zwei Tage lang Zeit, um den Text eines abendfüllenden Theaterstücks auswendig zu lernen.

Wer hat die Musik und Songs geschrieben?

Die Songtexte stammen ebenfalls von meinem Mann, die Musik dagegen von sechs Komponisten: Verena Küllmer, Peter Krausch, René Rudisile, Daniel Baginski, Fabian Vogt und mir selbst. Also ein Gemeinschaftswerk!

In Kirchen wird ja für gewöhnlich kein Musical  gesungen – ist dies für Sie als Pfarrerin eine besondere Herausforderung oder eher eine Ergänzung?

In Kirchen werden durchaus Musicals gesungen und gespielt! Nur in der Regel nicht von einer Frau, die auch Pfarrerin ist. Wobei ich hier natürlich trenne: Bin ich gerade in meiner Schauspielrolle, oder übe ich gerade meinen Pfarrdienst aus? Wenn ich predige, dann als Miriam Küllmer-Vogt und nicht als Katharina von Bora, Teresa von Avila oder Maria von Wedemeyer.

Warum haben Sie sich bei „Wenn Engel lachen“ für die Musical-Form entschieden (und nicht für ein Schauspiel o.ä.); weshalb ist es das passende Genre?

Es ist für mich das passende Genre, weil ich selbst Musicals mag. Die Mischung aus Theater, Musik und Bewegung gefällt mir. Und es gefällt vielen Menschen! Das finde ich auch wichtig. Neulich sagte eine Veranstalterin zu mir: „Reines Theater zieht bei uns nicht so… die Leute wollen auch schöne Musik hören.“ Nun, ich tue mein Bestes!

Wie sind die Erfahrungen aus anderen Gemeinden, bei welcher Zielgruppe kommt das Musical gut an?

Mein Publikum ist zwischen 10 und 100 Jahre alt. Ich trete in Gemeinden auf, bei Landfrauentagen, auf Kleinkunstbühnen und großen Theaterbühnen, bei Festivals, in Seniorenresidenzen, als Kulturevent bei Konferenzen verschiedenster Art und in Schulen. Wohin ich eingeladen werde, da trete ich auf und bekomme immer positive Resonanz.

Warum darf Kirche auch mal andere Wege gehen bzw.  leichtfüßig unterhalten?

Warum nicht? Wenn ich einen wertvollen Inhalt habe, diesen aber so verpacke, dass niemand sich dafür interessiert, dann hat keiner etwas davon. Also verpacke ich den Inhalt so, dass die Verpackung gefällt! Jesus hat gute Geschichten erzählt. Aber er hat auch gut Geschichten erzählt. Beides ist wichtig. Form und Inhalt. Und zu der Leichtfüßigkeit… Man kann nicht immer schwer beladen durch den Alltag gehen. Unsere Welt hat mit vielen Herausforderungen, Problemen und echten Nöten zu kämpfen. Wenn ich Zeitung lese, wird mir zuweilen schlecht. Wenn mir Menschen erzählen, welche Last sie mit sich herumtragen, ergreift mich das Mitgefühl. Die Geschichte der Katharina von Bora, so wie ich sie auf die Bühne bringe, trägt den Titel „Wenn Engel lachen“. Und es ist mir wichtig, dass die Menschen an dem Abend, an dem sie mir ihre Zeit schenken, was zu lachen haben. Dass sie aufatmen. Und etwas fröhlicher und leichtfüßiger nach Hause gehen. Mit dem Mut, etwas zu ändern und Schritte der Güte, der Wahrheit und der Gerechtigkeit zu gehen. Zugleich aber auch mit der Erkenntnis, manches nicht ändern zu können und daran trotzdem nicht zu verzweifeln.

In wie vielen Musicals bzw. Liederabenden sind Sie bereits aufgetreten? Hatten alle kirchlichen Charakter oder gab es auch Ausnahmen?

Immer diese Frage nach den Zahlen… Ich zähle nicht jeden Tag meine Auftritte. Wie oft ich schon auf der Bühne stand, kann ich wirklich nicht sagen. Ich schauspielere und singe schon seit meiner Jugend. In Kirchen und Gemeinden. Auf Festivals und Kleinkunstbühnen. Ich bin auf dem Karlsruher Opernball aufgetreten und in der Marburger Kinderklinik. Aber konkret für 2017: Da sind es bisher über 70 Auftritte in Deutschland und auch darüber hinaus.

Sie sind (abgesehen von Ihrem Pianisten) allein auf der Bühne. Würden Sie sagen, die Tätigkeit als Pfarrerin hat sie auf diese Situation gut vorbereitet?

Als Pfarrerin bin ich keine Alleinunterhalterin. Als Schauspielerin in dem Fall schon. Vielleicht müsste man es anders herum sagen: Durch meine Schauspielkunst wäre ich dazu in der Lage, auch eine Gemeinde allein zu unterhalten. Will ich aber nicht. Eine Gemeinde lebt nicht von einer One-Woman-Show oder One-Man-Show. Ich will in der Gemeinde mit anderen Menschen gemeinsam leben, glauben und Gottesdienst feiern. Dabei übernehme ich gerne Führungsverantwortung. Dazu gehört, Wege zu ebnen und Freiräume zu schaffen, in denen Menschen in all ihrer Vielfalt Gott begegnen und das Gemeindeleben prägen und gestalten können.

Zum vollständigen Bericht geht´s hier:

http://www.wiesbadener-kurier.de/lokales/wiesbaden/stadtteile-wiesbaden/nordenstadt/pfarrerin-miriam-kuellmer-vogt-tritt-als-katharina-von-bora-in-musical-auf_17726666.htm